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Kleine Würfel mit großem Effekt
Cascadierbare Rückprojektionscubes gibt es schon seit mehr als zehn Jahren, auch auf Basis von DLP-Projektionseinheiten. Doch das, was Christie seit Ende letzten Jahres als „MicroTiles“ vermarktet, ist in so vielen Details anders und innovativ, dass man durchaus von einem gänzlich neuen Produkt sprechen kann. Wir wollen Ihnen hier die flexiblen Bildmodulen nicht nur unter technischen Gesichtspunkten, sondern auch unter dem wichtigen Aspekt der schnellen und kreativen Konfigurierbarkeit vorstellen.

Christie Digital spielt seit vielen Jahren eine führende Rolle im Bereich der digitalen Projektionstechnik. Aus diesem Hause kommen die leistungsfähigsten Geräte für den Einsatz bei großen Events, im Bereich „Virtual Reality“ sowie in höchsten Auflösungen als echte digitale Kinoprojektoren. Immer größer, immer stärker, immer feiner auflösend, so könnte hier die Devise heißen. Eine weitere Spezialität von Christie kommt in Leitwarten und Kontrollräumen zum Einsatz: Besonders zuverlässige Rückprojektionseinheiten auf Basis von DLP-Projektoren. Aber erfolgreiche Unternehmen müssen innovativ bleiben, um am Markt bestehen zu können. So wurde auch bei Christie nach zukunftsträchtigen Ideen gesucht – erfolgreich, wie es scheint.

Eine Idee wird geboren
Es ist so in etwa fünf Jahre her, dass Bob Rushby, Cheftechniker bei Christie und sein Kollege und Produktenwickler Mike Perkins bei einem oder auch mehreren Single Malt Whisky in Tokio zusammen saßen und ihrer Phantasie freien Lauf ließen. Nicht mehr „einfach nur“ dem üblichen Trend nach immer größer und immer leistungsfähiger folgen, sondern die eigenen Stärken zu etwas Neuem zusammen wachsen zu lassen. DLP-Projektoren auf LED-Basis, das hat sicherlich Zukunft, ist aber für das ganz große Bild noch nicht leistungsstark genug. Rückprojektionseinheiten bieten guten Kontrast und eine hohe Auflösung, sind aber in der bisherigen Bauform zu groß und unhandlich, als dass sie schnell und problemlos zu größeren Einheiten zu kombinieren wären. Klein werden, daraus müsste sich ein Produkt entwickeln lassen, das nicht nur die Vorteile des Existierenden kombiniert, sondern womit sich sogar bis jetzt nicht realisierbare Ideen schnell und ohne großen zusätzlichen Aufwand umsetzen lassen. Die Idee einer kleinen, auf LED und DLP basierenden Rückprojektionseinheit war geboren.

Die Realisierung
In den folgenden Jahren der Entwicklung wuchs in enger Zusammenarbeit zwischen Technikern und kreativen Kräften aus der Praxis ein Produkt zur Reife heran, das durch seine Flexibilität und einfache Handhabung ganz neue Gestaltungsmöglichkeiten bietet. Die nunmehr seit einem halben Jahr angebotenen MicroTiles sind handliche Würfel mit einer Displayfläche von 306 x 408 mm bei einer Bautiefe von 254 mm. Durch die für eine Projektion sehr kleine Fläche kommt man mit einer relativ geringen Lichtmenge aus. Es können daher problemlos Leuchtdioden anstelle der ansonsten üblichen Quecksilberdampflampen eingesetzt werden. Das wiederum bietet eine Vielzahl von Vorteilen. LEDs haben nicht nur einen deutlich geringeren Stromverbrauch und eine um das Zehnfache höhere Lebensdauer als herkömmliche Leuchtmittel, sie liefern zudem extrem „satte“ Grundfarben. Satte Farben aber sprechen emotional besonders an, wodurch die MicroTiles wesentlich positiver wahrgenommen werden. Das für den sichtbaren Kontrast und damit für Tageslichttauglichkeit einer Rückprojektion wichtigste Element ist die Projektionsscheibe. Die von Christie verwendete kann hier voll überzeugen. Auf dem Messestand von Videlco (Prolight+Sound) hatte ein benachbarter Aussteller seine Scheinwerfer auf die Displays gerichtet. Trotz des enormen Fremdlichts ging die Darstellung auf den MicroTiles nicht unter.

Die Flexibilität
Die wahre Stärke der MicroTiles liegt aber in der problemlosen und flexiblen Kombinierbarkeit der einzelnen Elemente zu einem einzigen, großen Display mit einer Auflösung und einem Detailreichtum, wie es von einem einzigen Display oder Projektor nicht zu erzielen wäre. Durch die Verwendung einer besonders kurzbrennweitigen Projektionslinse und anderer konstruktiver Elemente ist es möglich, dass die MicroTiles sich fast nahtlos aneinander fügen lassen. Sie sind dabei nicht nur zu rechteckigen sondern wie Bausteine zu fast beliebigen Formen zu kombinieren. Es entsteht eine optische Einheit, die um ein Vielfaches größer ist, als das einzelne Element und die komplett mit jedem beliebigen bewegten Inhalt bespielt werden kann.
Christie hat die Tiles technisch so ausgestattet, dass jedes Element automatisch seinen Nachbarn erkennt und somit nicht manuell konfiguriert werden muss. Die einzelnen Würfel braucht man also einfach nur mechanisch und mit Verbindungsleitungen zu koppeln und schon kann der Betrieb beginnen. Das macht die Integration etwa in eine vorgegebene Architektur oder in dekorative Elemente besonders einfach.

Die Software
Wichtig für die praktische Akzeptanz ist nicht nur, dass sich die Hardware leicht aufbauen lässt. Die Planung eines komplexen Systems sollte nicht den Technikern überlassen bleiben, sondern möglichst auch von den kreativen Kräften zu leisten sein, die sich um die Gestaltung und Darstellung der Inhalte kümmern. Christie hat daher den „MicroTiles Designer“ entwickelt. Mit diesem Programm ist die Planung auch einer großen Zahl von MicroTiles in ungewöhnlicher Anordnung intuitiv möglich. Zudem stellt es eine Materialliste zusammen, so dass bei der Bestellung der Komponenten nichts fehlen wird.
Die derzeitige Betaversion ist alles andere, als ein einfaches Konstruktionswerkzeug. Damit es nicht nur intuitiv genutzt werden kann sondern auch gleich einen guten visuellen Eindruck des Geplanten liefert, kann man die Planung der Tiles vor einem Foto der Lokalität vornehmen und auch gleich schon ein Bild des zukünftigen Displays anzeigen lassen. So kann man leicht mit verschiedenen Konfigurationen experimentieren, um zu einem optimalen Ergebnis zu gelangen. Zugleich bietet das Software-Tool immer eine Liste der jeweils benötigten Einzelteile und kann auf Wunsch sogar über den Energiebedarf informieren, das Gesamtgewicht nennen und Hinweise für die optimale Verkabelung geben.

Mit den MicroTiles scheint es Christie gelungen zu sein, aus seinen Stärken ein Produkt entwickelt zu haben, das nicht nur innovativ sondern zugleich auch besonders benutzerfreundlich ist.
         MP

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