Wunschdenken: 3D-Darstellungen stehen realistisch vor dem Bildschirm.
Anaglyphische Darstellung: Durch eine Rot-Cyan Brlle erscheint die Darstellung räumlich und die Kugel schwebt deutlich vor dem zweiten linken Würfel.
Mit einer billigen Wegwerfbrille (Rot-Cyan) kann obiges Bild räumlich gesehen werden.
Die faszinierende Idee, Filme dreidimensional wirken zu lassen, ist schon weit über hundert Jahre alt. Bereits in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts wurden echte 3D-Filme produziert und in Kinos gezeigt. Die heute verfügbare Technik macht Produktion und Vorführung allerdings erheblich leichter. So verwundert es nicht, dass die Unterhaltungsindustrie die alte Idee als neues Zugpferd vor ihren Karren spannt. Aber auch der Bereich „Digital Signage“ bleibt nicht unberührt. Wie 3D funktioniert, was es leisten kann und wo die Grenzen sind, wollen wir hier näher untersuchen.
Der 3D-Film „Avatar“ von James Camerone hat einem breiten Publikum eindrucksvoll zeigen können, dass die dritte Bilddimension auch das Unrealistischste real wirken lassen kann und Effekte mit einer Intensität ermöglicht, die mit anderen Mitteln nur schwer oder gar nicht zu erreichen wären.
Eine drei-dimensionale Darstellung ist heutzutage auch eine Maßnahme zur Verkaufsförderung, die sich als ein sehr effektives Mittel für diesen Zweck herausgestellt hat. Seine ansprechende Beschaffenheit und die Greifbarkeit, die so einem Produkt verliehen wird, führt dazu, dass potentielle Käufer unter einer Auswahl von Produkten die 3D Darstellung bevorzugen. Die 3D visualisierten Produkte stechen bei der Auswahl heraus und erregen mehr Aufmerksamkeit. Welche Möglichkeiten bieten hier stereoskopische Darstellungen, und lässt sich die beeindruckende Wirkung eines Kinofilms verlustfrei auf einen mehr oder weniger kleinen Monitor übertragen?
Um überhaupt ein Gefühl für die Möglichkeiten und Grenzen zu bekommen, wollen wir hier auf das dreidimensionale Sehen und dann auf die zur Verfügung stehenden Techniken eingehen.
Räumlich sehen
Bekanntlich sehen wir Menschen dadurch räumlich, dass unsere beiden Augen die Welt aus zwei nebeneinander liegenden Positionen und damit aus unterschiedlichen Blickwinkeln erfassen. Das Gehirn „errechnet“ aus den Bilddifferenzen die Tiefeninformation. Im wirklichen Leben reicht allerdings die „Zweiäugigkeit“ keineswegs, um einen räumlich korrekten visuellen Eindruck zu erhalten. Eine durchaus mit entscheidende Rolle spielt die Erfahrung. Dazu gehören z.B. Fluchtlinien, Farbverläufe und Größenrelationen. Sehr wichtig ist für die Einschätzung einer Entfernung der sogenannte Gesichtswinkel, der umso kleiner wird, je weiter sich der Gegenstand entfernt. Bei sehr weit entfernten Gegenständen verlaufen die optischen Achsen der beiden Augen nahezu parallel, beim Fokussieren sehr naher Gegenstände ist der Winkel entsprechend groß (schielen!).
Aber auch Kopfbewegungen tragen dazu bei, sich einen besseren räumlichen Eindruck von der Umgebung zu machen. Erfahrungsgemäß sind auch Personen mit nur einem funktionierenden Auge in der Lage, die Umwelt visuell räumlich zu erfahren und Entfernungen zu schätzen.
Die meisten der heute unter dem Modebegriff „3D“ vermarkteten Stereoskopie-Techniken arbeiten nach dem Prinzip der zwei Kameras. Nimmt man nämlich die Realität mit zwei im Augenabstand nebeneinander montierten Kameras auf und sorgt beim Betrachten der Aufnahmen dafür, dass jedes Auge nur „sein“ Bild sieht, so wird das Gesehene wieder als dreidimensional erfahren.
Zwei wichtige Aspekte des realen räumlichen Sehens sind mit dieser Technik aber nicht darzustellen: Die Betrachterposition ist, wie auch beim „normalen“ Film, fixiert. Zudem bleibt der Gesichtswinkel für nah und fern erscheinende Gegenstände entgegen der Realität gleich. Die Augen fixieren ja immer in der gleichen Entfernung die Bildwand oder den Bildschirm. Dies kann sich insbesondere dann störend bemerkbar machen, wenn reale Gegenstände in der Nähe der Bildwand oder des Bildschirms mit der 3D-Darstellung um den Fokus konkurrieren.
Trotz dieser Unzulänglichkeiten kann der Zugewinn durch 3D allerdings beeindruckend sein – Avatar hat es gezeigt.
Lesen Sie unseren ausführlichen, zweiteiligen Artikel in AV-Signage 1/2011 und AV-Signage 2/2011.